#stillnotbroke

Autorinnen: Stimmrecht Gegen Unrecht

Die Installation „Broke“ des Künstlers Dennis Meseg tourt gerade durch Deutschland und will auf Gewalt gegen „Frauen“ aufmerksam machen. Still Not Broken äußert seit Wochen laute Kritik an der Installation, während der Künstler sich jeglicher Kritik verwehrt und damit den Menschen nicht zuhört, die im Mittelpunkt seiner Ausstellung stehen sollten – den Betroffenen. Volle Solidarität mit Still Not Broken! Wir wollen unsere Narative selber schreiben, danke Dennis.

Ein cis-Mann spricht über Gewalt gegen „Frauen“. Eigentlich ein guter Anfang. Gerade cis-Männer sollten sich gegenseitig aufklären, sich informieren und sich dabei unterstützen, ihre Gewaltpotenziale zu reflektieren, zu analysieren und abzubauen.Gewalt gegen FLINT* ist ein strukturelles Problem. Die Täter sind überwiegend männlich, die Opfer überwiegend weiblich gelesen. Ganze 98,4 % der Personen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, sind Personen, die die Mehrheitsgesellschaft als Frauen bezeichnet.Der Künstler fordert uns als Betroffene in seiner Wanderausstellung »Broken« auf: „Wehr dich!“, „Sprich darüber!“ – Nein danke, Dennis. 
Dennis vertritt die Perspektive einer Person, die potenziell eher Gewalt ausübt, anstatt sie zu erfahren. Sich angemessen zu solidarisieren heißt zuhören, Sorgearbeit leisten und bei sich selbst anfangen. Und nicht Betroffenen Handlungsempfehlungen oder gut gemeinte Ratschläge zu geben, die im Fall von Dennis eher nach Forderungen an die Betroffenen klingen.
Dass wir seine „Ratschläge“ nicht hören wollen, gefällt Dennis nicht sehr gut. Er hätte sich wohl über eine Medaille mehr gefreut, denn „feministische“ Kunst kommt ja immer noch viel zu kurz. Ja, das stimmt. Aber lasst uns doch darüber sprechen, wie feministische, politische und aktivistische Kunst von cis-Männern wirklich aussehen kann. Im Ersten, Dennis, wäre es toll, wenn du beginnen würdest, deine privilegierte Rolle zu reflektieren und offen den Menschen gegenüber bist, die berechtigte Kritik an dir und der Kunst üben, und damit (mal wieder) unbezahlte Bildungsarbeit für dich leisten. Jetzt wird es Menschen geben die laut rufen: tyPiscH FemiNistinNen, da$ ist DoCh NuA eiNe AusStelLung, RegT eUcH aB!1! Die Installation ist ein Symbolbild für eine immer noch männlich dominierte Kunstwelt, die sich oberflächlich Progressivität auf die Fahne schreibt, während sie weiblichen Künstler*innen weiterhin zu wenig Plattformen bietet, um sich selber auszudrücken und eigenständig (!) Themen zu verarbeiten, die sie betreffen. 
Es handelt sich nicht “nur” um eine Ausstellung, wer weiter raus zoomt erkennt erneut, wie die Lebensrealitäten von weiblichen Personen viel zu oft nur dann thematisiert werden, wenn sich ein Mann ihrer annimmt. Wir wollen unsere Narrative selber schreiben, danke Dennis.

 

Hintergrund

Anlässlich des 25. Novembers, des Tags der Gewalt gegen Frauen, stellte der Künstler Dennis Meseg seine Kunstinstallation „Broken“ vor.
Diese soll laut Angaben des Künstlers auf eben jene Gewalt aufmerksam machen. Die Installation besteht aus  221 weiblichen und einer männlichen Schaufensterpuppe, die in orangenes Absperrband gewickelt sind und mit Sprüchen wie “Talk about it “ oder “Zeig dich” von ihm beklebt wurden. Die Kunstaktion tourt derzeit durch Deutschland und war am 10.12.2020 auch auf dem Potsdamer Platz zu sehen.

Und so wichtig wir es finden, dem Thema von Gewalt gegen weiblich gelesene Personen Sichtbarkeit zu schaffen, finden wir die Kunstaktion ausgesprochen unangebracht. 

Dazu gibt es eine Reihe an Begründungen. Los geht es schon mit dem Titel “Broken” – Der Künstler impliziert, dass alle weiblich gelesenen Personen, denen Gewalt widerfährt zerbrochen, in jedem Fall auf eine Art fragil wären. 

 

Wir wollen hier keineswegs herunterspielen, dass Gewalt traumatisieren kann. Allerdings wird hier der Begriff stellvertretend für alle weiblich gelesenen Personen, denen Gewalt erfahren ist, genutzt. Das ist eine sehr problematische Fremdzuschreibung und steht dem männlicheihm in keiner Weise zu! Weiterhin reduziert er die Betroffenen auf den Gewaltakt, was es auch schwere machen kann sich davon zu befreien.

 

Zudem – surprise –  liegt mal wieder bei dieser Installation das Narrativ nur auf den Betroffenen – das jedoch von einem cis-Mann gestaltet worden ist!! Die in den überwiegenden Fällen männlich gelesenen Täter werden in der Aktion mit keiner Silbe für ihre Taten zur Verantwortung gezogen. Genau das braucht es aber, um diese strukturelle patriarchale Gewalt zu bekämpfen! 




#VIDEO 3

 

Die Schaufensterpuppen haben zudem allesamt normschöne, schlanke Figuren. Das kann das sowieso schon bestehende Narrativ stärken, dass weiblich gelesene Personen, die als nicht schön gelesen werden keine Gewalt erfahren. Das ist aber keineswegs der Fall und  blendet intersektionale Gewalterfahrungen aus.

 

Auch aufgeklebte Sprüche wie “Talk about it” gehen gar nicht! Als Betroffene von Gewalt muss mensch erstmal gar nichts. Außer das tun, was der Person in der derzeitigen Situation und womit die Person sich wohlfühlt. Dazu gehört definitiv kein Berichtzwang! Auch hier wird wieder vermittelt: Wenn du als Frau nicht farüber sprichst, bist du selbst Schuld! Nein Schuld sind die Täter und nur die Täter!

 

Und das war noch längst nicht alles an problematischen Ausführungen!

 

Schaut deshalb unbedingt auf die Seite von #stillnotbroken vorbei. Die Initiator*innen haben unglaublich wichtige Arbeit geleistet und sich die Zeit genommen alle Kritikpunkte (die wir gerade nur kurz angeschnitten haben und weitere) ausführlich zu erklären!



TdF

→ Eventuell so als Eintsieg: 

Gibt ja einige Leute da draußen, die sagen, dass das größte Problem vom Feminismus nocht das Patriachart ist, sondern andere Feminist*innen, mit denen sie sich gegenseitig bekämpfen… Warum es wichtig ist auch innerhalb des Feminismus Kritik zu üben, darüber wollen wir einmal kurz reden!

 

→ Hintergrund:

Kurzer Mini Input, TdF kennen viele vermutlich nicht erst sein #Männerwelten von JOKO und KLAAS (große Organisation ect), die akrtuell wieder auch vermehrt in den Medien und Diskursen Sichtbarkeit findet. 

  • Warum problematisch (1-2 Punkte) → Verweis auf Story Highlight Tdf bei Zuher (@xanax_atta) 

 

→ Erläuterung Kontext Installation feat TdF

  • Aufruf vor Ort zu Sein
  • Inhalte von den Folien erläutern
  • Fake News aufdecken (Stillnotbroken hat sich nie für Zwangsprostitution ausgesprochen → Klarstellung auf der Seite)

 

Danke an Still Not Broke

Danke an @stillnot.broken, die seit Wochen laut sind, ihr Stimmrecht gegen Unrecht online/offline nutzen und durch ihre fundierte Kritik eine wichtige Debatte angestoßen haben!

Clara Engelin

Clara ist ein Nordlicht und schreibt inzwischen in Berlin. Im Studium hat sie sich anthropologischen, historischen und sprachlichen Fragen gewidmet. Sie glaubt, Gesellschaft wächst dann, wenn Menschen sich aus ihrer Komfortzone heraus trauen und sich auf andere Perspektiven einlassen – auf die unbekannten, die ungehörten und auch auf die unsympathischen.

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