Feminismus für Einsteiger*innen Alltagserfahrungen sind politisch

 

Was ist Feminismus? Ist Feminismus politisch? Was ist politisch? Wenn es in Diskussionen mit Freund*innen früher um unsere ungleiche Gesellschaft ging, drückten mir männliche Freunde schon früh den Stempel der Feministin auf und konnotierten es als etwas Negatives. Ich wollte mich gegen die Ungleichbehandlung von Menschen einsetzen, aber verstand früher nicht, dass viele Arten der Ungleichbehandlung bzw. der Diskriminierung strukturelle Probleme unserer Gesellschaft sind. Irgendwann habe ich immer besser verstanden, dass ich all meine Beobachtungen, Erfahrungen und mein Wissen wie bei einem Puzzle zusammenfügen kann. So lassen sich strukturelle Probleme einer Gesellschaft begreifen, begründen und in Worte fassen und wir kommen den Konzepten von Theoretiker*innen näher. Heute habe ich verstanden, dass es nicht um Einzelfälle geht. Ich habe das verstanden, ohne feministische Theorie gelesen zu haben.

Feminismus für Einsteiger*innen steht für eine Lernkurve. Wir alle befinden uns auf einem Weg und dieser Weg hat für uns alle einen anderen Anfang. Es ist nicht falsch, langsame und kleinere Schritte zu gehen als andere. Es ist nicht falsch, zu sprinten. Es ist nicht falsch, stehen zu bleiben und inne zu halten. Und es ist nicht falsch, am Anfang lange über diesen Weg nachzudenken. Das Wort Einsteiger*in bedeutet nicht ahnungslos, es bedeutet nicht unwissend, es bedeutet nicht erfahrungslos, es steht nicht für Naivität oder Blauäugigkeit. Im sozialen Kontext geht es darum, dass die eigene Politisierung aus Alltagserfahrungen heraus ein großer und wichtiger Schritt ist. Politisch interessiert zu sein oder gar politisch aktiv zu werden, hat keine Zugangsvoraussetzungen.

Wir haben unsere Alltagserfahrungen. Unser Alltag ist politisch. Es ist politisch, wie wir konsumieren, was wir kaufen und wo wir wohnen. Unsere Privilegien sind durch die Struktur unserer Gesellschaft gegeben. Wir wissen wie es sich anfühlt, ausgeschlossen zu werden, weil wir so sind wie wir sind. Wir wissen wie es ist, Menschen auszuschließen. Wir wissen wie unfair es ist, benachteiligt zu sein, obwohl wir das Gleiche geleistet haben wie die anderen. Wir haben ein Recht, gehört zu werden, wenn wir darüber sprechen. Unsere Argumente sind valide, auch wenn wir die wissenschaftliche Theorie hinter dem Unrecht das uns geschieht nicht kennen. Wir haben unsere Alltagserfahrungen.

Für Stimmrecht Gegen Unrecht heißt “Feminismus für Einsteiger*innen”, dass jede*r mit ihren*/seinen* persönlichen Erfahrungen willkommen ist, sich zu politisieren, sich auszutauschen und gemeinsam wütend zu werden. Es gibt keine dummen Fragen und sich gegenseitig zu verurteilen widerspricht den Grundwerten des Feminismus.

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